Die Medienwoche 16-2018

Die SRG, beziehungsweise SRF, macht wieder einmal Schlagzeilen. Seit sie vor zwei Wochen per Medienmitteilung angekündigt hatte, verschiedene Redaktionen aus dem Radiostudio Bern nach Zürich zu verlegen, ist Feuer im Dach. Die Diskussion ist geprägt von Kleingeist.

Da sind zunächst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele von ihnen pendeln heute schon von Zürich nach Bern. Andere haben sich in Bern gemütlich eingerichtet, wo bei der nahen Bundesverwaltung oftmals lukrative Jobangebote lauern, wenn die Karriere beim öffentlich-rechtlichen Radio nicht die gewünschte Richtung nimmt. Eine Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat sich unter dem Titel „Pro Radiostudio Bern“ zusammengeschlossen und präsentiert im Internet ihre Argumente.

Ein Blick darauf zeigt: vieles ist heisse Luft. So befürchtet die Gruppierung beispielsweise, die „Glaubwürdigkeit und Vielfalt stehe auf dem Spiel“. Während das Argument der Vielfalt noch halbswegs nachvollziehbar ist, bleibt komplett offen, warum die Glaubwürdigkeit einer Sendung darunter leiden sollte, dass sie in Zürich statt in Bern produziert wird. Wenig überzeugend wirkt auch das Argument, ein Umzug „würde die medienpolitische Dominanz der Wirtschaftsmetropole und damit auch den Zürich-zentrierten Blick auf die Schweiz verstärken. Viele Zeitungen in der Deutschschweiz sind fest in Zürcher Hand – neu auch die Basler Zeitung, sowie die beiden Berner Tageszeitungen «Berner Zeitung und «Bund». Die Verlegung des allergrössten Teils der SRF-Info-Redaktionen aus der Bundesstadt nach Zürich würde deshalb den Medienstandort Bern weiter schwächen.“ Nur: Fakt ist, dass genau die Inland-Redaktion gemäss den bisher bekannt gewordenen Plänen in Bern verbleiben oder sogar noch verstärkt würde. Und ob eine Auslandredaktion nun in Zürich oder Bern sitzt, dürfte die Dominanz von Zürich in der Berichterstattung wohl kaum fördern.

In einem Punkt erscheint die Kritik allerdings durchaus berechtigt: Die SRG selbst verweist in Diskussionen über ihren Leistungsauftrag gerne immer wieder auf die Klammerfunktion, welche sie für die mehrsprachige und föderalistische Schweiz habe. Unter diesem Punkt ist die Diskussion durchaus berechtigt, wie sinnvoll es ist, wenn der Moloch im Leutschenbach noch einmal anwächst – insbesondere auch deshalb, weil die Medienschaffenden in der TV-Zentrale – schön am Rande Zürichs gelegen – gerne ein abgeschottetes Leben führen und den Puls der Menschen im Land viel zu wenig wahrnehmen. – Wie sollten sie auch, wenn sich ihre Begegnungen auf das gemeinsame Mittagessen unter ihresgleichen beschränken. Unter diesem Aspekt wäre es SRF tatsächlich zu wünschen, sich viel dezentraler zu organisieren und in den Regionen draussen viel präsenter zu sein mit ihren Fühlern. Dieser Punkt entscheidet sich allerdings nicht bei der Frage, ob die Nachrichtensendungen des Radios jetzt in Bern oder Zürich produziert werden.

Überhaupt: Den wirklich mutigen Schritt geht die SRG leider nicht an. Er würde darin bestehen, zumindest einzelne Redaktionen über die Sprachgrenzen hinaus zusammenzulegen. Warum nicht eine Tagesschau in drei Landessprachen, produziert von einer Redaktion, bestehtend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den verschiedensten Sprachregionen mit ihrem je eigenen Fokus auf Themen. Das wäre einmal eine wahrhaft mutige Veränderung. Und würde der vielgepriesenen Klammerfunktion endlich gerecht werden.

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